Freiberger Mulde

Mittelgebirgsflüsse zeichnen sich durch eine sehr hohe hydraulische Dynamik aus, die sich insbesondere in einer natürlichen Sedimentumlagerung und Laufverlagerung ausdrückt. Hochwasserereignisse unterschiedlicher Größenordnungen führen natürlicherweise zu regelmäßigen Veränderungen der Gewässermorphologie, die ein wichtiger Bestandteil der Funktion dieser Ökosysteme sind. Durch die fortschreitend intensivierte Nutzung der Gewässer, der direkten Uferbereiche und der Einzugsgebiete, treten aktuell eine Reihe schwerwiegender Probleme auf, die sich unmittelbar in der Einstufung des ökologischen und chemischen Zustands niederschlagen. Dabei sind die (z. T. ansteigenden) Anforderungen an den Hochwasserschutz in Form von Überflutungs- und Erosionsschutz vor allem in Siedlungsbereichen, aber auch außerhalb von Ortschaften, insbesondere dort wo Verkehrsinfrastruktur in den Tallagen angelegt wurde, von großer Bedeutung. Der technische Hochwasserschutz führt in der Regel dazu, dass die natürliche Morphodynamik des Gewässers unterbunden bzw. nachhaltig verändert wird.
Die beschriebenen Probleme können beispielhaft an der Freiberger Mulde festgestellt werden. Zusätzlich sind die Gewässersedimente durch Arsen und Schwermetalle aus der Erzgebirgsregion belastet, die zu einem beträchtlichen Teil aus dem Altbergbau stammen und auch in den Gewässersedimenten lagern. Darüber hinaus verursachen die Einleitungen aus Siedlungsentwässerung und Abwasserbehandlungsanlagen, auch wenn diese dem Stand der Technik entsprechen, in Verbindung mit weiteren Stoffeinträgen aus der Flächennutzung in den Einzugsgebieten der Flüsse. Die meist im Mischsystem entwässerten, auf Grund der Topographie schnell reagierenden urbanen Gebiete, erzeugen im Regenwetterfall ausgeprägte hydraulische und stoffliche Belastungsspitzen im aufnehmenden Gewässer. Dadurch werden im Gewässer zeitweise Stoffkonzentrationen erreicht, die dazu beitragen, dass die Bewirtschaftungsziele nicht erreicht werden. Dies vor allem dann, wenn die natürlicherweise vorhandenen Gewässerstrukturen nicht mehr vorhanden sind und damit wichtige biochemische Stoffwechselfunktion im Gewässer nicht mehr in ausreichendem Umfang die Nährstoffeinträge durch die Selbstreinigungskapazität des Ökosystems kompensieren können.
Gewässerspezifisch sind auch die Auswirkungen bestehender Querbauwerke, da diese zum einen Wanderbarrieren für aquatische Organismen darstellen, zum anderen den Sedimenttransport erheblich beeinträchtigen können und in längeren Aufstaubereichen zu einer signifikanten Veränderung der Gewässereigenschaften beitragen (erhöhte Sedimentation von Feinpartikeln und Produktion von Algenbiomasse, Veränderungen des Sauerstofftagesganges mit erhöhten Konzentrationen tagsüber und Sauerstoffzehrung während der Nacht sowie Veränderungen des Temperaturhaushaltes).
Da diese genannten Probleme in der Regel abschnittsweise an den Gewässern, z. T. auch in Kombination miteinander, auftreten, wird mit dem geplanten Projekt die Möglichkeit geschaffen, eine höhere und detailliertere räumliche und zeitliche Auflösung der Auswirkungen einzelner Belastungen nachzuweisen. Damit können zielgerichtete Maßnahmen zur Reduzierung der Belastungen abgeleitet, sowie die Wirkung der Maßnahmen überwacht werden.